OUTCAST REGISTRATION ist ein genderspezifisches arts-based research project, das sich einem konsequent vernachlässigten Phänomen europäischer Gesellschaften widmet: Obwohl der Anteil Frauen bei der Gesamtzahl Drogenabhängiger europaweit »nur« zwischen vier und 14 Prozent liegt und damit juristisch wie gesellschaftlich als »unerheblich« gilt, sind ca. 65 Prozent der in europäischen Gefängnissen inhaftierten Frauen drogenabhängig. Wie kann es sein, dass dieser Status quo zur Marginalisierung der Betroffenen führt und was hat sie überhaupt in diese prekäre Position gebracht?

 

Seit 1997 realisiert Ulrike Möntmann mit PartnerInnen aus Kunst, Wissenschaft und Politik mehrjährige Projekte im Zusammenwirken mit Junkies in verschiedenen west- und osteuropäischen Gefängnissen, Therapie-Einrichtungen und Auffangzentren. Die interdisziplinär angelegte künstlerische Forschung und Praxis dient der Entschlüsselung komplexer Fragestellungen, die sich aus der Kooperation mit allen Teilnehmenden ergeben. Ziele der Untersuchungen sind die Aufdeckung von Fakten und die Benennung konkreter Zusammenhänge aus ganz verschiedenen Perspektiven. Dabei sind weder die zweifellos asymmetrischen Beziehungen zu den betroffenen Frauen zu bestätigen noch ausschließlich die Maßnahmen der exekutiven Gewalt zu diskutieren, sondern es geht vor allem darum, sich in die Bedingungshaftigkeit gesellschaftlicher Systeme zu begeben.

 

OUTCAST REGISTRATION ist eine Form der Einmischung, die Reflexionen und Stellungnahmen erfordert, um die Bedingungen, die sich in sozialen Prozessen strukturell verfestigen, offenzulegen und demnach auch als öffentliche Angelegenheit wahrnehmbar zu machen.

 


 

Das audiovisuelle Porträt THIS BABY DOLL WILL BE A JUNKIE (TBDWBAJ – Projektausführungen 2004 bis 2009) besteht u.a. aus 18 Biografien drogenabhängiger Frauen in fünf westeuropäischen Ländern und bildet die Basis der OUTCAST REGISTRATION. Die anschließende Forschungsarbeit wurde im Rahmen des Programms »zur Entwicklung und Erschließung der Künste« des österreichischen FWF – Der Wissenschaftsfonds (PEEK, FWF, Projekt-Nr. AR 211-G21) von 2013 bis 2018 gefördert.

 

Im aktuellen arts-based research project PARRHESIA: THE RISKY ACTIVITY OF SPEAKING UP AND SPEAKING OUT (2019) setzt sich die Untersuchung von TBDWBAJ fort, die im Rahmen des Elise-Richter-PEEK-Programms ebenfalls vom FWF gefördert wird (Projekt-Nr. V-856 – gepl. Projektausführungen voraussichtl. 2021 bis 2025 in nord- und südeuropäischen Gefängnissen).

 

Weitere Unterstützung erhalten beide Projekte von der Universität für angewandte Kunst Wien (A) im Bereich »Kunst und Forschung« und vom Mondriaan Fonds, Amsterdam (NL) und andere Fonds und private Sponsoren.

 

 

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